Nachdem du die Symbole kennst, ist der nächste Schritt, diese Symbole zu einem sinnvollen Flussdiagramm zusammenzusetzen. Ein gutes Flussdiagramm folgt bestimmten Regeln und Mustern — je nach Programmstruktur.
Grundregeln für Flussdiagramme
- Genau ein Start-Symbol und mindestens ein Ende-Symbol
- Pfeile zeigen die Flussrichtung (normalerweise von oben nach unten)
- Entscheidungsrauten haben immer genau zwei beschriftete Ausgänge (Ja/Nein)
- Kein hängendes Ende — jede Linie führt irgendwohin
- Kreuzungsfreie Linien — bei Bedarf Verbindungspunkte nutzen
Muster 1: Einfache Sequenz
Für einen linearen Ablauf ohne Entscheidungen:
Pseudocode: Flussdiagramm:
EINGABE radius → [START]
SETZE flaeche ↓
= 3.14 * r² → [EINGABE radius]
AUSGABE flaeche → ↓
[flaeche = 3.14 * radius²]
↓
[AUSGABE flaeche]
↓
[ENDE]
Muster 2: Einfache Entscheidung (If-Else)
WENN temperatur > 30 DANN
AUSGABE "Heiß"
SONST
AUSGABE "Angenehm"
ENDE WENN
Im Flussdiagramm:
[temperatur > 30?]
/ \
JA NEIN
/ \
[AUSGABE "Heiß"] [AUSGABE "Angenehm"]
\ /
──────────────────
|
[ENDE]
Die beiden Äste einer Entscheidung müssen nach der Verzweigung wieder zusammengeführt werden (außer wenn einer der Pfade zum Ende führt). Das zeigt, dass das Programm nach der Entscheidung mit dem gleichen Code weiterläuft.
Muster 3: While-Schleife
Schleifen erzeugen einen Rückwärtspfeil im Flussdiagramm:
SETZE i = 1
SOLANGE i <= 5 WIEDERHOLE
AUSGABE i
SETZE i = i + 1
ENDE SOLANGE
Im Flussdiagramm:
[i = 1]
↓
[i <= 5?] ──NEIN──→ [ENDE]
|
JA
↓
[AUSGABE i]
↓
[i = i + 1]
|
└──────────────┘ (Rückpfeil zur Bedingung)
Der Rückwärtspfeil einer Schleife führt zur Bedingungsprüfung zurück, nicht zum Start der gesamten Schleife. Das ist wichtig! So zeigt das Diagramm, dass die Bedingung vor jedem neuen Durchlauf erneut geprüft wird.
Muster 4: For-Schleife
FÜR i = 1 BIS 3
AUSGABE i * i
ENDE FÜR
Im Flussdiagramm dargestellt als While-Schleife:
[i = 1]
↓
[i <= 3?] ──NEIN──→ [ENDE]
|
JA
↓
[AUSGABE i * i]
↓
[i = i + 1]
└──────→ (zurück zu Bedingung)
Tipps für übersichtliche Flussdiagramme
- Von oben nach unten fließen lassen
- Genug Abstand zwischen den Symbolen lassen
- Kurze, klare Beschriftungen in den Symbolen
- Rückwärtspfeile auf der linken Seite zeichnen
- Verbindungspunkte (kleine Kreise) für zusammenlaufende Pfade verwenden
Ein sehr komplex aussehendes Flussdiagramm ist oft ein Zeichen dafür, dass der Algorithmus selbst zu komplex ist oder schlecht strukturiert wurde. Wenn dein Diagramm sehr verwirrend wirkt, lohnt es sich, den Algorithmus neu zu überdenken.
Vollständiges Beispiel: Maximumsuche
Pseudocode:
EINGABE liste
SETZE maximum = liste[0]
FÜR i = 1 BIS Länge(liste)-1
WENN liste[i] > maximum DANN
SETZE maximum = liste[i]
ENDE WENN
ENDE FÜR
AUSGABE maximum
Das entsprechende Flussdiagramm hätte: Start → Eingabe → Zuweisung → Schleifenbeginn → Entscheidung → ggf. Zuweisung → Schleifenende → Ausgabe → Ende.
Übungsaufgaben
Welche Programmstruktur erzeugt einen Rückwärtspfeil in einem Flussdiagramm? Erkläre warum.
Antwort anzeigen
Du zeichnest ein Flussdiagramm für: 'Wenn es regnet, nimm einen Regenschirm mit. Egal ob Regen oder nicht, gehe zur Schule.' Wie viele Endpunkte hat dein Flussdiagramm?